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Positionspapier „Gegen Menschenfeindlichkeit“
der
Evangelischen Kirchengemeinde Monheim am Rhein

Menschenfeindlichkeit – nicht mit uns!

Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde. 1. Mose/Genesis 1,27

Unser Glaube lässt uns Menschen so sehen, wie sie von Gott gemeint sind: durch Christus geliebt und angenommen.
Menschen sollen füreinander da sein und sich nicht als Feinde sehen.
Mit diesem Grundsatz bekennen wir die Gleichheit und Gleichwertigkeit aller Menschen als Geschöpfe Gottes und ihre Gottesebenbildlichkeit.
Ethnische, soziale, religiöse und geschlechtliche Grenzen werden nicht verwischt, sondern in ihrer jeweiligen Eigenart geachtet.

Daraus folgt:
Unsere Tradition ist das freiheitliche und selbstverantwortliche Christentum.
Wir lehnen jegliche Form der Bevormundung Andersdenkender ab.
Wir nehmen Teil am interreligiösen Dialog unserer Städte.
Wir äußern uns öffentlich gegen Extremismus und Radikalismus.
Wir wollen Menschen miteinander verbinden, nicht spalten. Dafür treten wir mutig und nachhaltig ein.
Menschen, die aus anderen Ländern zu uns kommen, nehmen wir offen an. Geflüchtete sind nicht schuld an ihrer Lage.

Wir glauben, dass Liebe von Gott gewollt ist.
Das schließt alle ein, die verantwortungsvoll lieben und leben.
Darum bieten wir selbstverständlich nach der Ordnung unserer Kirche Trauungen von Ehepaaren unterschiedlichen oder gleichen Geschlechts an.
Wir lernen aus unserer deutschen Geschichte, dass Nationalegoismus, Antisemitismus, Sozialdarwinismus und Rassenvorstellungen falsch sind.
Wir fühlen uns verpflichtet, diese christliche Überzeugung in der Gesellschaft mit Worten und Taten zu vertreten.
Als Christinnen und Christen suchen wir bewusst den Dialog mit allen gesellschaftlichen Gruppen.
Wir brauchen gegenseitige Ermutigung. Wir hoffen auf Gotteshilfe.

Stellungnahme der Evangelischen Kirchengemeinde Monheim /Rhld. vom 10. Februar 2020

 

Auf Basis des Positionspapiers ist seit 2020 die Aktion „Gemeinde Positioniert Sich“ entstanden, welche die Aussagen des Positionspapiers in teils pointierter Weise in die Öffentlichkeit tragen soll. Hierzu wurden zwölf Slogans überlegt, die jeweils über einem Monat (beginnend im September 2021) stehen und im Folgenden erklärt werden.

 

September 2021: Es gibt keine Rassen, nur Menschen

Der Begriff der Rasse ist heutzutage umstritten. Vor kurzem hat der Bundestag darüber diskutiert, das Wort „Rasse“ aus dem Grundgesetz zu streichen. Auch wenn es nicht dazu kam, steht in der Biologie fest, dass es innerhalb der Gattung Mensch keine Rassen gibt. Trotzdem wird der Begriff immer wieder mit Bezug auf Menschen verwendet.
Gerade nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd ist die Debatte über Rassifizierung, also die Konstruktion von Rasse, erneut entbrannt.

Die (unbewusste) Einordung in Konstrukte von Rasse ist als Heuristik etwas, mit dem unser Gehirn versucht, die Fülle an Informationen zu bündeln und einzuordnen. Dabei kommt es jedoch zu Stereotypenbildung und systematischer Urteilsverzerrung.
Der/die Andere wird also nicht mehr als eigenes Subjekt wahrgenommen – mit eigenen Interessen, Wünschen, Gefühlen, Talenten -, sondern wird lediglich als austauschbares Exemplar einer Gruppe wahrgenommen. Das widerspricht dem biblischen Menschenbild.
Auch angesichts der unheilvollen Vergangenheit von Begriffen wie „Rasse“ und dem Umgang mit diesen Konstruktionen sind wir als Gemeinde darauf bedacht, diese Konstruktionen und Diskriminierungen aufzudecken und zu hinterfragen. Wir haben die Pflicht, aus unserer Geschichte zu lernen und die Wiederholung von Unrecht, in diesem Fall aus rassistischen Gründen, zu verhindern.

Aus gutem Grund, denn die Herkunft, die Religionszugehörigkeit, Sexualität und Gender sind nicht das Entscheidende in der Christengemeinschaft. Darauf macht der Apostel Paulus in Gal 3,28f. aufmerksam: „Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus. Gehört ihr aber Christus an, so seid ihr ja Abrahams Nachkommen und nach der Verheißung Erben.“
Und mit der Zuwendung Gottes zu den nicht-jüdischen Völkern (vgl. Mk 7,24-29; Apg 8;10) soll sich unsere Zuwendung nicht auf die Christenheit, sondern die gesamte Weltgemeinschaft beziehen. Das wollen wir uns immer wieder ins Herz schreiben und für das Miteinander in unseren Kommunen bedenken.

Malte Würzbach

 

Oktober 2021: Füreinander statt gegeneinander

Einander die Hand reichen, Unterstützung anbieten und an der Seite derer stehen, die arm, krank oder verzweifelt sind – das ist ein wichtiges Wesensmerkmal von evangelischer Gemeindearbeit. Sie wird z.B. gelebt in Pflegeeinrichtungen, durch Beratungsangebote oder auch ganz praktische Unterstützung im Kleinen mittels Lebensmittelgutscheine für Menschen in akuten Notlagen.

Die diakonische Arbeit geht auf ein zentrales Gebot der Thora zurück, das Doppelgebot der Liebe (Lev 19,18b[1]) und wird in den Jesus-Schriften ausgelegt und vertieft. So z.B. im Disput zwischen Jesus und einigen Theologen, der im Markusevangelium beschrieben wird: „Und es trat zu ihm einer der Schriftgelehrten, der ihnen zugehört hatte, wie sie miteinander stritten. Als er sah, dass er ihnen gut geantwortet hatte, fragte er ihn: Welches ist das höchste Gebot von allen? Jesus antwortete: Das höchste Gebot ist das: »Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der Herr allein, und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und mit all deiner Kraft« (Dtn 6,4-5). Das andre ist dies: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst« (Lev 19,18). Es ist kein anderes Gebot größer als diese.“ (Markus 12, 28-34)

Auf die Frage, wer denn nun dieser „Nächste“ ist, geht Jesus im berühmten Gleichnis des „barmherzigen Samariters“ im Lukasevangelium ein. Hier wird deutlich, dass es egal ist, welcher Herkunft der Nächste ist. Auch wenn er nicht zur eigenen Gemeinde gehört, ist er genau der Nächste, der unsere Hilfe bekommen soll: „Wer von diesen dreien, meinst du, ist der Nächste geworden dem, der unter die Räuber gefallen war? Er sprach: Der die Barmherzigkeit an ihm tat. Da sprach Jesus zu ihm: So geh hin und tu desgleichen!“  (Lukas 10,36)
Im Matthäusevangelium wird dieser deutliche Appell zu Mitgefühl und Hilfsbereitschaft noch einmal ausgeführt in der Aufzählung der Werke der Barmherzigkeit, pointiert in dem Satz: „Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“ (Matthäus 25,40)

„Füreinander statt gegeneinander“ ist also ein Aufruf, das in der Bibel fest verankerte Dreifachgebot der Liebe praktisch umzusetzen und mit Anteilnahme, Sachverstand und auch Geld hilfsbedürftige Menschen zu begleiten bzw. aus Notlagen zu befreien.

Anita Weber

 

[1] Levitikus 19,18b: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst; ich bin der HERR.“

 

November 2021: Jeder Mensch ist wertvoll

Dieser Slogan fasst kurz und prägnant die folgenden Formulierungen aus dem Positionspapier der EKM zur Menschenfreundlichkeit zusammen: „Mit diesem Grundsatz bekennen wir, die EKM, die Gleichheit und Gleichwertigkeit aller Menschen als Geschöpfe Gottes und ihre Gottesebenbildlichkeit. Wir brauchen gegenseitige Ermutigung. Wir hoffen auf Gotteshilfe.“

„Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau.“ (Gen 1,27). Diese Bibelstelle im ersten Buch Mose macht bereits deutlich, was zu diesem Slogan zu sagen ist. Gott schuf den Menschen, als Mann und als Frau als sein Ebenbild. Er schuf also alle gleich, ohne Ausnahme sind wir alle Gottes Ebenbild. Daher kann jeder von sich sagen, ich bin ein ganz besonderer Mensch, weil Gott mich nach seinem Bild geschaffen hat. Und genauso ist es mit meinem Gegenüber: auch ihn hat Gott als sein Ebenbild geschaffen. Da ist es angemessen, auch den anderen mit Respekt zu begegnen.
Für Gott sind wir also alle gleich: Wir sind einfach Menschen.
Jeder hat Stärken und Schwächen, die ihn einmalig und besonders machen. Individualität ist ein wertvolles Gut, das wir nutzen und anerkennen wollen. Jeder soll und darf seine Gaben einbringen, damit es unserer Gemeinschaft zu Gute kommen kann. (Einer kann Zungenreden, ein anderer weiß dieses zu deuten, so sagt es Paulus.)
Wie wertvoll jeder einzelne Mensch ist, erzählt Jesus im Gleichnis vom „verlorenen Sohn“ (LK 15,11ff.). Der Vater ist mit seiner Großzügigkeit und unendlichen Liebe zu seinen Söhnen vergleichbar mit Gott und seiner unendlichen Liebe zu uns Menschen. Wir können uns immer auf Gott verlassen, er ist immer für uns da, auch wenn wir gesündigt haben. Er nimmt uns jederzeit so an, wie wir sind, und vergibt uns jegliche Schuld. Für ihn ist jeder Mensch wertvoll.

Ergänzend hierzu sei auf die Stellungnahme des Rates der EKD aus Januar 2015 zum Thema „Inklusion“ hingewiesen. „Es ist normal, verschieden zu sein“ (Quelle: www.ekd.de) heißt es hier – es geht nicht um die Integration einer kleinen abweichenden Minderheitsgruppe in die „normale“ Mehrheit, sondern durch das aktive Leben von Inklusion soll vielmehr die Gemeinschaft so gestaltet werden, dass niemand aufgrund seiner Andersartigkeit herausfällt oder ausgegrenzt wird. Die Kitas der EKM sind allesamt inklusive Einrichtungen, in denen wir jedem Kind die Chance geben, ein wertvolles Mitglied der Gemeinschaft zu sein.  

Katrin Weber

 

Dezember 2021: Menschlichkeit ist Christenpflicht

Menschlichkeit ist ein moderner Begriff, den die Bibel so nicht kennt.
Doch die Bedeutung der (Mit)Menschlichkeit als das Gebot für den Umgang der Menschen miteinander ist klar und beeindruckend beschrieben:
Sowohl im Matthäus- (Mt 22,35-40) als auch im Markus- (Mk12, 28-34) und im Lukasevangelium (Lk 10,25-28) findet sich die Erzählung, nach der ein Schriftgelehrter Jesus nach dem höchsten Gebot[1] fragt. Und Jesus antwortet ihm mit dem Doppelgebot der unbedingten Liebe zu Gott und der Liebe zum Nächsten.
Bei Lukas schließt sich auf die Frage, wer denn der Nächste ist, die Erzählung vom „barmherzigen Samariter“ an (Lk 10,30-37), der einem Menschen in körperlicher und seelischer Not ohne Ansehen der Person mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln hilft, während ein Levit und ein Schriftgelehrter, die es eigentlich besser wissen müssten, ungerührt vorübergehen. Hier wird das höchste Gebot der Liebe zum Nächsten als Barmherzigkeit bezeichnet.

Als praktische Umsetzung dieses Gebotes der Barmherzigkeit hat die EKD zusammen mit dem breiten gesellschaftlichen Bündnis „United4Rescue“ das Rettungsschiff „Sea-Watch 4“ gekauft, um in Seenot geratene Flüchtende vor dem Ertrinken im Mittelmeer zu retten. In ihrer Begründung für diesen Schritt verweist sie ebenfalls auf das Gebot der Nächstenliebe im Lukasevangelium: „Als Kirche und Diakonie sehen wir das Retten von Menschenleben als selbstverständliche Pflicht an. Es ist ein Gebot christlicher Nächstenliebe, Menschen, die aus ihren Heimatländern vor Krieg und Elend fliehen, nicht ihrem Elend zu überlassen.“ 

Evelyn Steinfort

 

[1] Matthäus 22,27f.: „Jesus aber sprach zu ihm: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt« (5. Mose 6,5). 38 Dies ist das höchste und erste Gebot. 39 Das andere aber ist dem gleich: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst« (3. Mose 19,18).“

 

Januar 2022: Klare Kante gegen Menschenfeindlichkeit

Menschenfeindlichkeit hat viele Gesichter. Eine (nicht abgeschlossene) Aufzählung findet sich im Positionspapier der Evangelischen Kirchengemeinde Monheim „Gegen Menschenfeindlichkeit“: Bevormundung Andersdenkender, Extremismus, Radikalismus, Nationalismus, Chauvinismus, Homophobie, Misogynie, Nationalegoismus, Antisemitismus, Sozialdarwinismus und Rassifizierung.

Diese menschenfeindlichen Haltungen gründen in der Ansicht, dass der oder die Andere weniger wert sei als man selbst/die eigene Gruppe. Damit einher geht oft eine Verobjektivierung der Anderen.
Eine solche Verobjektivierung ist nicht im Sinne des göttlichen Willens, wie wir ihn auf Grundlage der biblischen Zeugnisse verstehen.

Gott hat die Menschen zu seinem Bilde geschaffen – alle, die männlichen und weiblichen (Gen 1,27[1]). Auch wenn er Abram versprochen hat, dass seine Nachkommen unzählbar sein werden, wie die Sterne (Gen 15), kennt er seine Geschöpfe beim Namen (Jes 43,1[2]) – ja, er hat uns im Mutterleib bereitet (Ps 139,13[3]). Gott ist ein Menschenfreund.
Jeder Mensch ist vor Gott einzigartig, ein Subjekt, ein Du und Gegenüber. Diese Gottesbeziehung verleiht ihm und ihr eine unbedingte Würde. Hieran wollen auch wir uns in unserem Denken und Handeln orientieren.

Unterschiede werden hierdurch nicht nivelliert, doch sie sollen uns nicht entzweien. Denn in der Gemeinde ist weder Jude noch Grieche, Sklave noch Freier, Mann noch Frau – wir sind alle eins in Christus Jesus (Gal 3,28[4]). Das betrifft unsere christlichen Gemeinden, aber auch unsere weltliche Gemeinde, in der wir unsere Mitmenschen als gerechtfertigte und von Gott geliebte Individuen anerkennen. Eine Abwertung der Anderen ist also unchristlich und menschenfeindlich. Ihr ist entschieden gegenüberzutreten.

Malte Würzbach

 

[1] Genesis/1.Mose 1,27: Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn. Und schuf sie als männlich und weiblich.

[2] Jesaja 43,1: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein.

[3] Psalm 139,13: Denn du hast meine Nieren bereitet und hast mich gebildet im Mutterleibe.

[4] Galater 3,24: Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus.

 

Februar 2022: Verantwortungsvolle Liebe ist immer richtig

„Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm“ (1. Joh 1,16; 4,8)

Liebe ist der rote Faden im Neuen Testament. In Jesus Christus wird Gottes Liebe zu uns Menschen Mensch. Weil Gott uns zuerst geliebt hat, können wir Menschen lieben und Liebe in Beziehungen zu anderen Menschen verantwortungsvoll leben (1. Joh 4,19[1]). Im Doppelgebot der Liebe (Gott lieben und deinen Nächsten lieben wie dich selbst) wird dieser Ansatz ausgehend von der hebräischen Bibel fortgeführt bis hin zur Feindesliebe.

In diesem Kontext der Liebe ist auch die Ehe als gute Gabe Gottes zu verstehen. Sie ist ein Geschenk Gottes, in dem Menschen verantwortungsvoll Liebe leben können. Dabei ist nicht die Geschlechter-konstellation entscheidend, sondern dass die Beziehung auf Dauer angelegt ist, die Gabe der Ehe geachtet wird und die Ehepartnerinnen bzw. -partner bekennen, ihr Leben lang in Treue beieinander zu bleiben.
Bei der Bewertung der Ehe ist zu beachten, dass es auch in der Bibel nicht die eine Form der Ehe gibt, die sich nie gewandelt hätte. Die Ehe ist wandelbar und hat sich seit alttestamentlichen Zeiten immer auch den gesellschaftlichen Bedingungen angepasst. So gibt es in der hebräischen Bibel noch teilweise polygame Strukturen („Schwagerehe“[2]). Jesus dagegen betonte die „Unauflöslichkeit“ der Ehe und geht damit in Konflikt mit der Scheidungspraxis seiner Zeit. Das Verständnis unterliegt gesellschaftlichen Veränderung: In vorreformatorischer und teilweise auch noch zurzeit der Reformation war die „Mündelehe“ die gängige Form, in der die Frau aus dem „Besitz“ des Vaters in den Besitz des Ehemannes gewechselt ist. Heute verstehen wir die Ehe als eine Lebensform, in der Menschen partnerschaftlich und gleichberechtigt miteinander leben. Luther betonte, dass die Ehe ein „weltlich“ Ding sei, also kein Sakrament mehr. Daher kann die Ehe auch offen sein für Wandlungen.

In der Bibel gibt es aber auch kritische Stimmen (besonders in den paulinischen bzw. nachpaulinischen Schriften) zum Thema „Homosexualität“ – ähnlich wie es auch antijüdische Tendenzen in manchen Schriften des Neuen Testaments gibt oder die Unterordnung der Frau unter den Mann gefordert wird. Diese stehen meist im Zusammenhang mit einer Kritik an der hellenistischen Kultur bzw. polytheistischen Religionen oder der patriarchalischen Gesellschaftsstrukturen (vgl. Sexualität und Lebensformen, EKiR 1999).

Menschen, die an Gott glauben, erfahren in der Lebensmacht Sexualität die Zuwendung ihres Schöpfers, der ihr Leben bejaht und fördert und ihnen seine Gemeinschaft gewährt. Damit erfahren Menschen in ihrer Sexualität ihre Beziehungs- und Gemeinschaftsfähigkeit. Sexualität wird zu einem Kommunikationsmittel zwischen Menschen. Kriterien und Maßstäbe für die Gestaltung dieser Lebensmacht finden Menschen, wenn sie danach fragen, welches Verhalten das von Gott geschenkte Leben fördert und der von ihm gewährten Gemeinschaft gerecht wird.
Liebe und Gemeinschaftsgerechtigkeit sind der rote Faden der Bibel, an der auch unsere menschlichen Beziehungen sich orientieren können und sollten. Dies, nicht die Frage der Geschlechterkonstellation in einer Beziehung, sind ausschlaggebend.

„Trauung“ in der EKiR

Nach der Kirchenordnung der Evangelischen Kirche im Rheinland ist die Trauung „ein Gottesdienst anlässlich einer Eheschließung, in dem die eheliche Gemeinschaft unter Gottes Wort und Segen gestellt wird. Dabei bekennen die Eheleute, dass sie einander aus Gottes Hand annehmen, und versprechen, ihr Leben lang in Treue beieinander zu bleiben und sich gegenseitig immer wieder zu vergeben“. Dieser Artikel der Kirchenordnung findet auch auf Eingetragene Lebenspartnerschaften Anwendung bzw. auf gleichgeschlechtliche Eheschließungen.

Im Jahr 2000, also noch ehe der Gesetzgeber Eingetragene Lebenspartnerschaften möglich gemacht hat, hatte die rheinische Synode bereits eine sogenannte „Gottesdienstliche Begleitung für gleichgeschlechtlich Liebende“ möglich gemacht. Anders als die jetzt beschlossene „Trauung“ war diese aber keine Amtshandlung.

Tanja Kraski


[1] 1. Johannesbrief 4,19: „Lasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt.“

[2] Schwagerehe meint, dass, wenn ein Ehemann verstarb, dessen Bruder verpflichtet war, die Ehefrau ebenfalls noch zur Frau zu nehmen, auch wenn er schon verheiratet war.

 

März 2022: Vielfalt ist von Gott gewollt

Die Bibel ist an sich ein Buch der Vielfalt. Denn sie ist ein Sammelband, in dem Menschen zu unterschiedlichen Zeiten von ihren Gotteserfahrungen berichten und aus unterschiedlichen Blickwinkeln ihren Glauben bezeugen.
Wenn wir heute an Vielfalt denken, dann denken wir an Buntheit, an Fülle, an Verschiedenheit. Vielfalt spiegelt sich auch im Begriff „Inklusion“ wider. Inklusion als Ideal einer Gemeinschaft, in der alle Menschen gleichberechtigt dazugehören.

Dass alle dazugehören sollen, bezeugt die Bibel bereits im ersten Buch Moses durch den Bund Gottes mit Noah nach der Sintflut: „Und Gott sagte zu Noah und seinen Söhnen mit ihm: Siehe, ich richte mit euch einen Bund auf und mit euren Nachkommen (…). Und Gott sprach: Das ist das Zeichen des Bundes, den ich geschlossen habe zwischen mir und euch und allem lebendigen Getier bei euch auf ewig.“ (Gen 9,8-12)

Wirklich alle. Niemand soll ausgeschlossen werden. Und die Starken in der Gemeinschaft sollen die Schwächeren unterstützen. So finden sich auch früh in der Bibel im 3. Buch Moses die ersten Regeln, mit deren Hilfe z.B. Witwen oder Menschen mit Behinderung integriert werden sollen: „Du sollst dem Tauben nicht fluchen und sollst vor den Blinden kein Hindernis legen, denn du sollst dich vor deinem Gott fürchten; ich bin der Herr.“ (Lev 19,14)

In den Evangelien wird an vielen Stellen sehr deutlich, dass Jesus Kranken und Menschen mit Behinderung immer mit Respekt begegnet ist. Aber er bedauerte sie nicht, sondern heilte sie durch ihren Glauben. Er befähigte ausgegrenzte Menschen zur Rückkehr in die Gemeinschaft: „Und Jesus ging von dort weiter und kam an das Galiläische Meer und ging auf einen Berg und setzte sich dort. Und es kam eine große Menge zu ihm; die hatten bei sich Lahme, Blinde, Verkrüppelte, Stumme und viele andere und legten sie ihm vor die Füße, und er heilte sie, sodass sich das Volk verwunderte, als sie sahen, dass die Stummen redeten, die Verkrüppelten gesund waren, die Lahmen gingen und die Blinden sahen; und sie priesen den Gott Israels.“ (Mt 15,29-31)

Auch nach dem Tod und der Auferstehung Jesu Christi beginnt die Geschichte der Kirche in sprachlicher und kultureller Vielfalt. In der Pfingstgeschichte machen sich unterschiedlichste Menschen voller Begeisterung auf den Weg: „Sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen zu reden eingab.“ (Apg 2,4)

Auf diesem Weg befinden auch wir uns. Deshalb ist es für das Gemeindeleben wichtig, immer wieder nach Sprache zu suchen, die unterschiedlichste Menschen erreicht und Vielfalt ermöglicht. 

Anita Weber

 

April 2022: Liebe verbindet, Hass spaltet

Garstig breite Gräben durchziehen unsere Gesellschaft – Gräben, die durch unversöhnlichen Hass entstehen und eine Überbrückung unmöglich machen.
Hass kann sowohl reaktiv als auch irrational sein. Aber ist er einmal entbrannt, bedeutet das nicht nur, Abscheu voreinander zu haben, sondern auch, dass man gewillt ist, dem/der Anderen willentlich zu schaden. Hass übt eine große Macht aus.
Unser christlicher Glaube sagt aber, dass es eine Macht gibt, die größer ist: die Liebe.
Dass die Liebe Grenzen überwindet, ist eine Wahrheit, die auch in der Säkularliteratur angekommen ist.

Für uns Christen ist Liebe aber noch mehr. Sie ist die größte Gabe Gottes (vgl. 1.Kor 13[1]), die Gott uns bereits dann erwiesen hat, als wir Menschen noch Sünder (also von ihm getrennt) waren (Röm 5,8[2]). Gott hat somit, so unser christlicher Glaube, aus freien Stücken die Trennung zwischen uns Menschen und ihm überwunden.

Als Christen kann uns diese Versöhnungstat nicht kalt lassen, sondern die unbedingte Liebe Gottes zu seiner Schöpfung will uns von Geltungsdrang und engen Grenzen befreien und freimachen, einander als von Gott geliebte und gewollte Individuen wahrzunehmen. So werden wir fähig, auch reaktiven Hass zu überwinden und an Versöhnung zu arbeiten (vgl. Kol 3,13[3]).
Als Menschen leben wir in der noch nicht erlösten Welt. Darum gilt Jesu Verkündigung „Tut Buße und glaubt an das Evangelium[4]“ (Markus 1,15) uns auch heute noch. Immer wieder müssen wir sie uns vor Augen halten und uns dazu entschließen, dass wir Hass und Feindschaft überwinden, um ein segensreiches Miteinander zu gestalten.

Malte Würzbach

 

[1] Vgl. 1Korintherbrief 13,13: Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.

[2] Römerbrief 5,8: Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.

[3]  Kolosserbrief 3,13: Ertragt einander und vergebt euch gegenseitig, wenn einer Klage gegen den anderen hat; wie auch der Herr euch vergeben hat, so auch ihr!

[4] Evangelium wird hier verstanden als die gute Botschaft von der unbedingten Liebe Gottes zu uns.

 

Mai 2022: Wir trauen Euch und Euch

Gott ist Liebe.[1]

Kann es dann eine Liebe geben, die vor Gott weniger wert ist? Wie können wir den Segen Gottes Menschen, die diesen Segen für ihre Beziehung suchen, verweigern?
Kirchenrechtlich wird folgendermaßen argumentiert und somit ein Gottesdienst anlässlich einer Eheschließung auch für gleichgeschlechtliche Paare ermöglicht:
Der Bundestag verabschiedete am 30. Juni 2017 den unveränderten Gesetzentwurf des Bundesrates „zur Einführung des Rechts auf Eheschließung für Personen gleichen Geschlechts“ (18/6665, 18/12989) in namentlicher Abstimmung.

Wenn nun ein- und dasselbe Rechtsinstitut für gleich-, wie gegengeschlechtliche Paare zur Anwendung kommt, ist es auch mit dem Verweis auf das Selbstbestimmungsrecht der Kirchen nur schwer zu begründen, warum nur bestimmte Paare, die dieses Rechtsinstitut eingegangen sind, in den Genuss einer gottesdienstlichen Segnungshandlung kommen können.

Der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland hatte entsprechend bereits am 28. Juni 2017, also zwei Tage vor der Abstimmung im Bundestag erklärt: "Für die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) sind Vertrauen, Verlässlichkeit und die Übernahme von Verantwortung in der Gestaltung menschlicher Beziehungen von zentraler Bedeutung. Aus Sicht der EKD bietet die Ehe dafür beste Voraussetzungen und ist deshalb ein Zukunftsmodell. Sie bildet den rechtlichen Rahmen für ein Zusammenleben von zwei Menschen, das auf lebenslanger Treue beruht. Dass auch für gleichgeschlechtlich liebende Menschen, die den Wunsch nach einer lebenslang verbindlichen Partnerschaft haben, der rechtliche Raum vollständig geöffnet wird, in dem Vertrauen, Verlässlichkeit und Verantwortung durch gesetzliche Regelungen geschützt und unterstützt werden, begrüßt die EKD. Die Bedeutung der Ehe zwischen Mann und Frau wird dadurch keineswegs geschmälert. Im Gegenteil – sie wird noch einmal unterstrichen."

Mit Blick auf die Bibel ist zu sagen, dass es in der Bibel keine Aussagen über Homosexualität, wie wir sie heute verstehen, gibt. Die vereinzelt beschriebenen sexuellen Akte (und nicht auf ein Leben angelegte gleichgeschlechtliche Liebesbeziehungen) müssen in ihrem jeweiligen kulturellen und sozio-historischen Kontext betrachtet werden. Die Vorstellungen von einer homosexuellen Partnerschaft gibt es erst seit Beginn des 19. Jahrhundert.

Beate zur Nieden

 

[1] Vgl. 1. Johannesbrief 4,16: „Und wir haben erkannt und geglaubt die Liebe, die Gott zu uns hat: Gott ist Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.“

 

Juni 2022: Geflüchtete sind nicht schuld an ihrer Lage

„Wenn ein Fremdling bei euch wohnt in eurem Lande, den sollt ihr nicht bedrücken. Er soll bei euch wohnen wie ein Einheimischer unter euch, und du sollst ihn lieben wie dich selbst; denn ihr seid auch Fremdlinge gewesen in Ägyptenland. Ich bin der Herr, euer Gott.“ (Lev 19,33-34, vgl. Ex 23,9[1])


Das Gebot zum Schutz der Fremdlinge, Ausländer und Flüchtlinge zieht sich wie ein roter Faden durch das Alte Testament. Immer wieder erinnert Gott sein Volk an die eigenen Erfahrungen des Fremdseins in Ägypten, im Gelobten Land Kanaan und später im Babylonischen Exil. Gott ist für Israel ein Freund der Fremden. Nächstenliebe bezieht sich nicht nur auf die „Volksgenossen“, sondern auf alle Menschen – unabhängig von Herkunft, Kultur und Religion. Von daher sind Integration und praktische Hilfe für Menschen mit Migrationshintergrund selbstverständlich. Fehlende Sprachkenntnisse und mangelnder Besitz sollen nicht zur Benachteiligung führen dürfen. Dass diese Nächstenliebe aber immer wieder geboten werden muss, zeigt andererseits auch, dass es bei den meisten nicht in Fleisch und Blut übergangen ist und Minderheiten leider immer wieder unterdrückt oder benachteiligt werden.

Christus spricht: „Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen.“ (Mt 25,35) Beim Jüngsten Gericht fragt Christus nach den sechs Werken Barmherzigkeit, dazu gehört auch die Hilfe für Flüchtlinge. Gott ergreift für die Schwachen Partei. Deshalb sind die Benachteiligten Jesu Brüder und Schwestern: „Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern (und Schwestern), das habt ihr mir getan.“ (Mt 25,40) Für die christlichen Gemeinden wurde daher die Diakonie an den Hilfebedürftigen von Anfang an zur Kernaufgabe. Im Jerusalem bestellt man eigens eingesetzte „Diakone“ für die benachteiligten Gemeindemitglieder. (Apg 6) Und Paulus ermahnt die römische Gemeinde: „Übt Gastfreundschaft!“ (Röm 12,13)

In der Geschichte der Diakonie stehen immer die hilfebedürftigen Menschen im Mittelpunkt, nicht aber die Frage der eigenen Schuld an ihrem Schicksal.
Schwestern in mittelalterlichen Hospitälern und diakonischen Einrichtungen des 19. und 20.Jh. haben sich um Arme, Kranke und Sterbende, aber auch um Reisende und „Gestrandete“ aufopferungsvoll gekümmert. So folgen Christen bis heute dem Gebot Jesu: „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!“ (Lk 6,36; Jahreslosung 2021)

Till-Karsten Hesse

 

[1] 2. Mose 23,9: „Einen Fremdling sollst du nicht bedrängen; denn ihr wisst um der Fremdlinge Herz, weil ihr auch Fremdlinge in Ägyptenland gewesen seid.“

 

Juli 2022: Zuhören statt niederschreien

Die Bibel zeigt uns an unterschiedlichsten Stellen, dass der dreieinige Gott mit uns Menschen in Kontakt / ins Gespräch kommt. Darum ist es nötig und sinnvoll zuzuhören und aufeinander zu hören. Denn Gott macht sich uns Menschen zu Nutze, um seine Botschaft in die Welt zu tragen (vgl. die prophetischen Gestalten der Bibel).

Bereits im Alten Testament hat Gott sich direkt an die ersten Menschen im Paradies gewandt (Gen 1,28[1]) und das direkte Gespräch gesucht (Gen 2,19; 3,9[2]). Es ist nicht von einer einseitigen Kommunikation die Rede, Gott redet und hört die Antworten der Menschen, sodass es zu einem wirklichen Dialog kommt. In weiteren Büchern des AT ist immer wieder von Dialogen zwischen den Menschen und dem Herrn die Rede (Abraham, Moses, David, die Propheten), wenn Gott seine Pläne formuliert. Es ist virulent, dass Gott sich nicht nur in den lauten Tönen zu erkennen gibt, sondern auch und gerade im leisen Säuseln des Windes (1.Kön 19, 11-13[3]).

Besonders wird die Diskussionsfreudigkeit unseres Herrn im Neuen Testament sichtbar. Im NT steht Gott, in unserem Heiland Jesus Christus, mit seinen Mitmenschen im ständigen Dialog, um das Reich Gottes Gestalt werden zu lassen (vgl. Mk 1,15[4]). Er befürwortet Rückfragen, damit wir Menschen unsere Kleingläubigkeit überwinden können (vgl. Mk 2; Lk 10,25ff.[5]). Der Herr ist ein Gott des Dialogs und verzagt nicht, wenn wir Menschen seine Weisheit nicht erkennen (1Kor 1,18; Röm 1,17f.; 5,8-11[6]). Er sucht immer wieder das Gespräch und fordert uns auf, im permanenten Gebet den Dialog mit Ihm zu suchen, wie er es selbst in scheinbar ausweglosen Situationen mit seinem Vater getan hat (vgl. Lk 22, 42-44[7]).  In Hinblick auf das Miteinander in der Gemeinde wirbt u.a. der Apostel Paulus darum, einander zuzuhören und in geordneter Weise in der Gemeinde zu sprechen (1.Kor 14,31[8]) sowie Konflikte/Missstände in der Gemeinde anzusprechen und einander in aller Liebe zu ermahnen (Gal 5, 22-26[9]).

Darüber hinaus ist es wichtig, das Wesen Gottes an sich zu betrachten. Es ist an sich beziehungsreich – die drei Personen Gottes stehen in Kontakt und Austausch. Sie bilden miteinander das Wesen Gottes.

Darum ist das Miteinander in der Gemeinde im Miteinander Gottes begründet. Und dieses Miteinander ist ein konfliktfreies Miteinander, ohne Geschrei.

Konstantin Drews

 

[1] 1. Mose 1,28a: „Und Gott segnete sie [scil. die Menschen] und sprach zu ihnen: …“

[2] 1. Mose 2,19: „Und Gott der HERR machte aus Erde alle die Tiere auf dem Felde […] und brachte sie zu dem Menschen, dass er sähe, wie er sie nennte“; 1. Mose 3,9: „Und Gott der HERR rief Adam und sprach zu ihm: Wo bist du?“

[3] In 1.Könige 19,11-13 offenbart sich Gott dem Propheten Elia nicht im starken Wind und Erdbeben, sondern im leisen Säuseln des Windes.

[4] Markus 1,15: „Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen. Tut Buße und glaubt an das Evangelium!“

[5] Lukas 10,25f.: „da stand ein Gesetzeslehrer auf, versuchte ihn und sprach: Meister, was muss ich tun, dass ich das ewige Leben ererbe? 26 Er aber sprach zu ihm: Was steht im Gesetz geschrieben? Was liest du?“ hierauf hin erzählt Jesus das Gleichnis vom barmherzigen Samariter.

[6] 1. Korinther 1,18: „Denn das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren werden; uns aber, die wir selig werden, ist es Gottes Kraft.“; Römer 5,8: „Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.“

[7] Lukas 22,42: „und [Jesus] sprach: Vater, willst du, so nimm diesen Kelch von mir; doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe!“

[8] 1. Korinther 14,31: „Ihr könnt alle prophetisch reden, doch einer nach dem andern, damit alle lernen und alle ermahnt werden.“

[9] Galater 5,22: „Die Frucht aber des Geistes ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue“

 

August 2022: Wir verurteilen Antisemitismus und Islamfeindlichkeit

Judenfeindlichkeit begleitet die gesamte Kirchengeschichte wie ein dunkler Schatten. Viele Stellen aus dem Neuen Testament wurden antijüdisch verstanden. Im Johannesevangelium ist oft pauschal von „den Juden“ die Rede. Sie sind Jesus feindlich gesinnt und trachten ihm ständig nach dem Leben. (z.B. Joh 10,31[1]) Jesus klagt über das eigene Volk, das ihn und seine Botschaft ablehnt (Mt 23,37[2]), und kündigt die Zerstörung des Tempels in Jerusalem an (Mt 24,2[3]). In der Folgezeit wurde die tatsächlich eingetretene Zerstörung Jerusalems (70 n.Chr.) als Strafe Gottes für die Tötung Jesu gedeutet.

Auch der Name „Judas“, also des Jüngers, der Jesus verraten hatte, wurde allgemein als „Jude“ interpretiert. Auf vielen Gemälden des Mittelalters und der frühen Neuzeit wird er düster und mit hässlicher, spitzer Nase dargestellt.

Aber es gibt auch andere Tendenzen im Neuen Testament. Vor allem Paulus widmet 3 Kapitel seines Römerbriefes der Frage nach dem Heil der Juden. Der Apostel warnt die Heidenchristen vor Überheblichkeit gegenüber den Juden. Für alle hat Gott das Heil beschlossen, aber alle brauchen auch Gottes Erbarmen. Die Juden bleiben für alle Zeit Gottes erwähltes Volk. Im Gleichnis vom Ölbaum werden auch die „natürlichen Zweige“ (Juden) wieder eingepfropft. Die „wilden Ölzweige“ (Heiden) kommen zum alten Ölbaum dazu und werden getragen von dessen Wurzeln (Israel). (Röm 11)

Im 4. Jahrhundert ist die Kirche staatstragende Volkskirche geworden, die sich in der Folgezeit immer über die jüdische Minderheit im christlich geprägten Europa erhoben hat. Den „Juden“ wurde die Schuld an allem Übel der Welt (Krankheit, Hunger, Gewalt) gegeben. Kreuzzüge, Inquisition und Pogrome sind nur die Spitze des Eisbergs der Gräueltaten an der jüdischen Bevölkerung. Die Folge: Der Zutritt zu Handwerkerzünften und Kaufmannsgilden wurde ihnen verwehrt, in Ghettos wurden sie eingesperrt. Im 19. Jahrhundert verband sich die aufkommende Rassenlehre mit den Vorbehalten gegenüber Juden und bereitete den Weg zum Holocaust durch die Nazis.

Einen völlig neuen Weg hat die Rheinische Kirche 1980 mit dem „Synodalbeschluss zur Erneuerung des Verhältnisses zwischen Christen und Juden“ beschritten. Darin bringt die evangelische Kirche zum Ausdruck: „Wir bekennen uns zu Jesus Christus, dem Juden, der als Messias Israels der Retter der Welt ist und die Völker der Welt mit dem Volk Gottes verbindet.“ (Art. 4,3) „Wir glauben die bleibende Erwählung des jüdischen Volkes als Gottes Volk und erkennen, dass die Kirche durch Jesus Christus in den Bund Gottes mit seinem Volk hineingenommen ist.“ (Art. 4,4) „Wir glauben, dass Juden und Christen je in ihrer Berufung Zeugen Gottes vor der Welt und voreinander sind.“ (Art. 4,6)

2009 hat sich die EKiR zur Frage nach dem Verhältnis zwischen Christen und Muslimen geäußert. Im Zentrum steht „Abraham und der Glaube an den einen Gott“. Abraham wird als Urvater des Glaubens im Judentum, Christentum und Islam verehrt. Trotz wesentlicher Unterschiede im Glauben – bei Christen ist Jesus Christus das „fleischgewordene Wort Gottes“, bei Muslimen ist das der an Mohammed offenbarte Koran – „bezeugen beide in der Freiheit ihres Glaubens und der Bindung ihrer Gewissen den einen Gott voreinander und vor der Welt." Daraus folgen die gegenseitige Achtung und der respektvolle Umgang miteinander. (S. 33)

Seit vielen Jahren gibt es in Monheim den Arbeitskreis „Christen treffen Muslime“. In ihm kommen zweimal im Jahr Christen aus der kath. und ev. Kirche mit Muslimen aus der türkischen (und arabischen) Moscheegemeinde zusammen, um die jeweils andere Religion intensiv kennenzulernen. Auch die Teilnahme am Gebet in der Altstadtkirche bzw. in der DITIB-Moschee bei der Interreligiösen Radtour (2019) sowie die großen Aktionen „Öffentliches Fastenbrechen“ (2017) und „Öffentliches Erntedankfest“ (2018) sind sichtbare Schritte auf dem Weg des erfolgreichen interreligiösen Dialogs in Monheim.

Till-Karsten Hesse

 

[1] Johannes 10,31: „Da hoben die Juden abermals Steine auf, um ihn zu steinigen.“

[2] Matthäus 23,27: „Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr seid wie die übertünchten Gräber, die von außen hübsch scheinen, aber innen sind sie voller Totengebeine und lauter Unrat!“

[3] Matthäus 24,2: „Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Seht ihr nicht das alles? Wahrlich, ich sage euch: Es wird hier nicht ein Stein auf dem andern bleiben, der nicht zerbrochen werde.“